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Freiheit·15. August 2026·5 Min. Lesezeit

720 Euro für eine Kreditkarte. Ich rechne offen mit.

Ich habe eine Karte beantragt, die mehr kostet als mancher Fernflug. Teil eins von drei, mit echten Zahlen und offenem Ausgang.

Am 13. August habe ich eine Kreditkarte beantragt, die 720 Euro im Jahr kostet. Das ist mehr, als ich für manchen Fernflug bezahlt habe. Ich halte das trotzdem für eine gute Entscheidung, und genau deshalb rechne ich sie hier offen durch. Wer eine Zahl nicht aufschreibt, kann sie später beliebig hübsch erzählen.

Das ist Teil eins von drei. Teil zwei kommt zur Halbzeit, Teil drei nach zwölf Monaten, wenn ich weiß, ob die Rechnung aufgegangen ist.

Was auf dem Papier steht

Es ist die American Express Platinum, beantragt über eine laufende Punkteaktion.

Posten Zahl
Jahresgebühr 720 Euro
Willkommensbonus bis zu 85.000 Punkte
Erste Stufe 40.000 Punkte nach 6.000 Euro Umsatz in sechs Monaten
Zweite Stufe weitere 45.000 Punkte nach insgesamt 10.000 Euro Umsatz
Guthaben laut Anbieter 200 Euro Reise, 200 Euro Sixt Ride, 150 Euro Restaurant, 100 Euro Shopping
Lounge zwei Priority-Pass-Mitgliedschaften

650 Euro Guthaben gegen 720 Euro Gebühr. So gerechnet kostet die Karte 70 Euro im Jahr und die 85.000 Punkte gibt es praktisch dazu. So wird sie beworben, und so kann es tatsächlich ausgehen. Es hängt nur an einer Frage, die im Prospekt nicht vorkommt.

Die Bedingungen sind der eigentliche Deal

Kein Kleingedrucktes, sondern der Kern der Sache.

  • 10.000 Euro in sechs Monaten sind rund 1.700 Euro Umsatz im Monat, jeden Monat.
  • Bargeldabhebungen und die Jahresgebühr selbst zählen nicht mit.
  • Retouren werden wieder abgezogen. Was ich zurückschicke, ist auch als Umsatz weg.
  • Kündige ich im ersten Jahr, ist der Bonus rückwirkend weg.

Die sechs Monate laufen ab Kartenerhalt, nicht ab Antrag. Für mich ist das machbar, weil ohnehin jeden Monat Server, Software, Werbung und Einkäufe anfallen. Für jemanden ohne diese laufenden Posten wäre es eine ganz andere Rechnung.

Womit ich wirklich rechne

Ein Guthaben ist nur so viel wert, wie ich davon einlöse. Meine Regel dafür ist simpel. Guthaben, für das ich mein Verhalten ändern müsste, setze ich erst mal mit null an.

Posten Auf dem Papier Was ich ansetze
Reiseguthaben 200 Euro 200 Euro
Sixt Ride 200 Euro 0 Euro
Restaurantguthaben 150 Euro 150 Euro
Shoppingguthaben 100 Euro 100 Euro
Summe 650 Euro 450 Euro

Damit kostet mich die Karte im ersten Jahr 270 Euro statt der beworbenen 70. Sixt Ride steht als einziger Posten auf null, weil ich noch nicht weiß, ob ich es nutze. Wenn doch, wird die Rechnung besser. Die zweite Spalte ist eine Schätzung von heute, kein Ergebnis. In zwölf Monaten steht hier die echte Zahl.

270 Euro für 85.000 Punkte. Das ist die eigentliche Frage dieses Experiments.

Die Falle sitzt nicht in der Gebühr

Sie sitzt im Umsatzziel. 10.000 Euro in sechs Monaten erzeugen einen leisen Druck, und dieser Druck kostet schneller Geld als jede Jahresgebühr. Wer für 500 Euro einkauft, um 500 Punkte zu bekommen, hat kein Geschäft gemacht, sondern 500 Euro ausgegeben.

Meine einzige Regel für die nächsten sechs Monate lautet deshalb, dass nur Ausgaben über die Karte laufen, die es ohne die Karte genauso gegeben hätte. Erreiche ich das Ziel damit nicht, erreiche ich es eben nicht. Das wäre dann das Ergebnis.

Ein Punkt ist erst dann etwas wert, wenn er eingelöst ist. Alles davor ist eine Zahl in einer App.

Wofür die Punkte am Ende draufgehen

Eine Sache steht schon fest, bevor der erste Punkt gebucht ist. Die Punkte gehen in Reisen. Keine Sachprämien, keine Gutschrift auf der Abrechnung. Das sind die schlechtesten Kurse, die ein Programm anbietet, und sie sind genau deshalb so bequem eingebaut.

Zuerst denke ich dabei an Flüge, weil dort pro Punkt am meisten herauskommt. Hotels sind aber die zweite Hälfte davon, und in manchen Fällen die bessere. Die Karte macht ohnehin ein paar Türen auf, Statusstufen bei mehreren Hotelketten und einen eigenen Buchungsweg mit Guthaben vor Ort und Frühstück. Was davon im Alltag wirklich ankommt, gehört zu den Dingen, die ich in zwölf Monaten beantworten kann und heute noch nicht.

Wie man den Wert einer Einlösung nachrechnet und wann ein Hotel den Flug schlägt, steht im Ratgeber. Wie aus normalen Ausgaben eine Reise wird

Parallel läuft ein zweiter, viel unspektakulärerer Stapel. Inzwischen sind eine Miles-und-More-Karte und die Payback-Amex dazugekommen, beide ebenfalls durch. Payback-Punkte wandern eins zu eins in Miles & More, und das kostet mich keinen zusätzlichen Euro, weil die Karte an der Kasse ohnehin dabei ist. Zwei Währungen, ein Ziel, und die teure Karte ist nur die eine Hälfte davon.

Wie es weitergeht

Teil zwei kommt zur Halbzeit, mit dem echten Umsatzstand und der Frage, was ich unterschätzt habe. Teil drei ist der Kassensturz nach zwölf Monaten, inklusive der Entscheidung, ob ich verlängere oder kündige.

Wenn die Rechnung aufgeht, steht das hier. Wenn nicht, steht es hier genauso.

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720 Euro für eine Kreditkarte. Ich rechne offen mit. — Angelo on Earth